Auf dem Weg in Richtung Süden

•3. Dezember 2009 • 1 Kommentar

Hallo alle zusammen,

Jetzt bin ich schon seit über vier Monaten in Neuseeland und mir gefällt es immer noch ausgezeichnet.

Hier hat der Sommer begonnen. Es ist in letzter Zeit meistens über 20 Grad und sonnig.
Vor drei Wochen habe ich die Badesaison in Piha eröffnet. Das Wasser war noch etwas kalt, aber man konnte es schon aushalten.

Ich habe weiterhin viel Spaß mit meiner Freundin und den anderen Freiwilligen.

Mit meiner Freundin war ich letzte Woche bei einem deutschen Abendessen mit ihrer alten High-School-Deutschklasse. Wir aßen in einem deutschen Restaurant, das ein Chefkoch aus Deutschland betreibt. Es gab Sauerbraten mit Spätzle, Rotkraut und Blumenkohl. Als Nachtisch gab es entweder Schwarzwälder Kirschtorte oder Erdbeertorte.
Dank der Mutter meiner Freundin hatten wir Freiwilligen am ersten Advent einen deutschen Stollen. Miriams Mutter hatte ihn für uns im deutschen Restaurant gekauft gehabt. Er schmeckte sehr gut und versprühte wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung, die sonst bei sommerlichen Temperaturen nicht wirklich aufkommt.

Mit meiner Freundin und Theresa war ich vor ein paar Wochen bei einem südamerikanischen Fiesta. Felipe, der Freund von der Spanish Language Meetup Group hatte mich eingeladen. Die Band, die spielte, hatte in seinem Haus geprobt. Miriam und ich kamen vor Theresa. Die Band spielte und es war ein nette Veranstaltung. Als Theresa eine Stunde später kam, wollte die Band eine klitzekleine Pause machen, doch diese Pause wurde sehr südamerikanisch und dauerte letztendlich anderthalb Stunden! Gerade als wir gegangen waren, fing die Band wieder zu spielen an. Immerhin bekam Theresa einen Großteil ihres Kartenpreises wieder.

Mit den anderen männlichen Freiwilligen war ich an Halloween auf einer Hausparty.
Wir Deutschen hatten uns in ein klassisches Halloween-Kostüm geworfen: Jeder trug eine Weihnachtsmannmütze mit leuchtenden Sternen.
Auf der Party waren wir die Stars. Alle wollten mit uns Deutschen sprechen, Fotos mit uns machen, unsere Mützen aufsetzen und ein paar Sätze auf Deutsch lernen.

Mittlerweile ist auch eine weitere Freiwillige namens Tuba zur Hohepa-Familie hinzugestoßen. Ich traf sie das erste Mal auf der Weihnachtsfeier der Mitarbeiter. Für die Feier hatten die Mädchen den Raum geschmückt und die Jungs deutsche Weihnachtsplätzchen gebacken.
Eine Nichte einer samoanischen Mitarbeiterin führte samoanische Tänze vor und wurde anschließend von den Mitarbeitern lauthals beklatscht.

Leider hat sich Tuba heute das Handgelenk gebrochen. Ich wünsche ihr eine schnelle Heilung.

Mit den guys waren wir in letzter Zeit auch bei einigen kulturellen Veranstaltungen. So sahen wir das Theaterstück „My Head’s in a Whirl“, eine Vorstellung einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen. Das Stück war ein Mix aus Shakespears „Romeo und Julia“, „Macbeth“ und „Ein Sommernachtstraum“ und war sehr beeindruckend. Es machte sehr viel Freude zu sehen, wie sich die behinderten Menschen freuten, Theater spielen zu dürfen. Das Stück war lustig gemacht und die Schauspieler konnten auch mit ihrem Gesang überzeugen.

Ein anderes Highlight war der kostenlose Auftritt des Auckland Symphony Orchestra. Es handelte sich um ein Konzert speziell für Kinder und Jugendliche.
Die Tante von einem meiner Mitbewohner spielt in diesem Orchester Cello. Mein Mitbewohner saß in der ersten Reihe. Nachdem unter Anderem der Soundtrack von Harry Potter und High School Musical sowie Computerspielmusik gespielt worden war, gab es eine Zugabe. Das Orchester spielte den rosaroten Panther. Das Publikum wurde aufgefordert, im Takt mitzuschnipsen. Die guys schnipsten alle mit. Besonders mein Mitbewohner, der in der ersten Reihe saß, schnipste und klatschte begeistert mit. Der Dirigent war so von ihm angetan, dass er seine Hände nahm und ihn aufrichtete, sodass er vor dem ganzen Publikum stand. Er drehte sich um und schnipste sehr laut. Außerdem begann er laut zu pfeifen, sodass ihn jeder hören konnte. Das ganze Publikum jubelte ihm zu und einige Musiker fingen während des Spielens an zu lachen. Es war großartig mit anzusehen, wie er den Dirigenten machte. Als die Zugabe zu Ende war, jubelte das Publikum sehr laut. Der Dirigent schüttelte die Hand meines Mitbewohners. Daraufhin schüttelte mein Mitbewohner jeder einzelnen Person in der ersten Reihe die Hand.
Beim Herausgehen aus der Musikhalle sahen ihn viele Leute an. Ein Mann gab mir einen Mentos für ihn und ein anderer fragte mich, ob das alles natürlich gewesen sei. Wiederum eine andere Frau erzählte mir total begeistert, dass sie einige Fotos gemacht hätte und diesen Moment ihren Lebtag lang nicht vergessen werde.
Ich war sehr stolz auf meinen Mitbewohner.

Am 13. Dezember findet in der Einrichtung eine Weihnachtsfeier statt, bei der die guys ein Theaterstück aufführen werden. Die Freiwilligen werden auch etwas aufführen und sind schon fleißig am Üben. Es wird sehr lustig werden.

Ich werde jedoch nicht da sein, da ich morgen mit meiner Freundin auf die Südinsel fliegen und dort für zweieinhalb Wochen einen Roadtrip mit ihr machen werde. Dabei werden wir in Nelson bei Freunden meiner Familie übernachten (und auch Mari treffen, die gerade in Nelson verweilt), danach mit einem Leihwagen nach Christchurch weiterfahren, wo wir bei Harriet, einer Freundin von mir und Miriam, übernachten werden, bevor wir zu Wade, einem weiteren Freund von uns, nach Dunedin fahren und auch dort einige Nächte bleiben werden. Daraufhin wird es über Stewart Island, Milford Sound, Queenstown, Fox und Franz Josef Glacier bis hinauf zu den Pancake Rocks gehen, bevor wir einmal quer über die Insel, den Arthur’s Pass nehmend, wieder nach Christchurch fahren werden, von wo aus wir am Sonntag, den 20. Dezember wieder nach Auckland zurückfliegen werden.

Weihnachten werden meine Freundin und ich, wahrscheinlich mit den anderen Freiwilligen zusammen in Auckland feiern.
An Silvester werden wir wohl auch etwas zusammen unternehmen.
Der private Gebrauch von Feuerwerkskörpern an Silvester/Neujahr ist übrigens in Neuseeland nicht gestattet. Einzig am 5. November, Guy Fawkes Night, darf privat geknallt werden.
Während der Arbeit ließen wir einige Feuerwerkskörper los. Im Vergleich zu deutschen Feuerwerkskörpern waren diese jedoch ziemlich langweilig.

So, das war es erst einmal wieder, ich werde meine Sachen zusammenpacken und dann nach meiner Rückkehr vom Roadtrip hier davon berichten.

Macht es alle gut!

Auf dünnen Sohlen den Einen Ring zerstört

•22. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Diese Woche habe ich zusammen mit Theresa, Paul, Mari und zwei Mädchen, Steffi und Johanna, die zusammen mit Mari auf einer Bio-Farm in Raglan gearbeit haben, im Tongariro National Park im Zentrum der Nordinsel einen Trampingtrip gemacht.

Zur Erklärung, Tramping heißt hier in Neuseeland nicht „per Anhalter fahren“, sondern bedeutet Trekking. Man macht eine mehrtägige Wanderung mit einem großen Rucksack auf dem Rücken, in dem sich Kleidung, Nahrung und Schlafsack befinden. Dabei schläft man entweder in sich im Nationalpark befindlichen Hütten oder in einem eigens mitgebrachtem Zelt.

Die Landschaft des Tongariro National Park ist bekannt durch die Verfilmung des Romans „Der Herr der Ring“. Einige Szenen wurden in diesem National Park gedreht. So diente der National Park als Kulisse für Mordor. Der 2290m hohe Mt. Ngauruhoe, neben dem höchsten Berg der Nordinsel, dem Mt. Ruapehu (2796m), einer der aktiven Vulkane des National Parks, ist der bekannte Schiksalsberg.

Wir machten einen der Great Walks, den Northern Circuit, der mit drei Übernachtungen in Hütten einmal um den Schiksalsberg herumführt. Wenn man möchte, kann man auch auf die Gipfel von Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro steigen.

Wir hatten vor einigen Wochen das erste Mal überlegt gehabt, einen solchen Trip zu machen. Während der letzten zwei Wochen planten wir den Trip genauer.

Theresa, Paul und ich überlegten, was wir mitnehmen müssten. Am meisten machten wir uns Sorgen darüber, zu wenig Essen mitzunehmen. Letztendlich entschieden wir uns deshalb dazu, nach dem Motto „Wer schleppt, der schlemmt!“ zu verfahren.

Folgendes stand auf unserer Packliste für den Trampingtrip:

  • Kamera
    • Akku
  • Trampingrucksäcke
  • Schuhe
  • Regensachen
  • Kopfbedeckung
  • Sonnenbrille
  • Handschuhe
  • Schal
  • Dicke Socken
  • Normale Kleidung
  • Warme Kleidung
  • Sonnencreme
  • Erste Hilfe
    • Verbandszeug
      • Pflaster
    • Notfalltropfen
    • Arnika
  • 2 Kochtöpfe
  • Besteck
  • Teller
  • Badesachen
  • Wasserflaschen
  • Becher
  • Thermoskanne
  • Handtücher
  • Geschirrspültücher
  • Seife/Spülmittel
  • Zahnpasta
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Bettlaken
  • Taschenlampe
  • Kompass
  • Scharfes Messer
  • Tüten
  • Regenschutz für Rucksäcke
  • Handdesinfizierer
  • Batterien
  • Shampoo (biologisch abbaubar)
  • Essen
    • Müsliriegel (insgesamt 6 Packungen)
    • Traubenzucker (1 Packung pro Person)
    • Obst (2 Äpfel und Bananen/Tag und Person) = 12 Äpfel und 12 Bananen
    • Karotten (1 pro Tag und Person) + 2 Karotten = 14
    • 2 Brote von Maria
    • 3 Avocados
    • 1 Gurke
    • Käsescheiben
    • 3 Zucchini
    • Biscuits
    • Muffins
    • Scones
    • Cookies
    • Oats
    • Studentenfutter
    • Trockenfrüchte
    • Müsli mit Trockenfrüchten (15 Esslöffelx4?)
    • Reis (2 Tassen)
    • Nudeln (2x Spaghetti, 1x spiral pasta)
    • Tomatensauce (1 Kanne)
    • 1 Hummus
    • Couscous (1 Packung)
    • 4 gekochte Eier
    • 1 Glas Marmelade
    • 1 Glas Erdnussbutter
    • Salz
    • Zucker
    • Zimt
    • Pfeffer
    • Kräuter (Italian Herbs)
    • Tee
    • 3 Dosen Tunfisch
    • 1 Dose Mais
    • Tumeric
    • 1 Tafel Schokolade
    • 1 Packung Gummibärchen
  • Taschentücher
  • Klopapier

Unser Essensplan sah folgendermaßen aus:

  • Dienstagabend: jeder selbst von Hohepa
  • Mittwochmorgen: jeder selbst von Hohepa
  • Mittwochabend: 2 Tassen Reis mit 1 Dose Red Beans, 1 Dose Mais, 1 Dose Tuna, 1 Flasche Ketchup
  • Donnerstagsmorgen: Porridge mit Studentenfutter
  • Donnerstagabend: 750g Spaghetti mit 1 Dose Tomato Paste und Italian Herbs
  • Freitagmorgen: Porridge mit Studentenfutter
  • Freitagabend: 250g Spaghetti, 500g Spiral Pasta mit 1 Glas Pesto
  • Samstagmorgen: Porridge mit Studentenfutter
  • Samstagabend:  Couscous mit Karotten, 3 Zucchini, 1 Dose Tuna, restlicher Ketchup

Die restlichen Essensvorräte sollten auf dem Weg gegessen werden.

Am Montagabend – am Dienstagnachmittag wollten wir losfahren – organisierte mir meine Freundin noch ziemlich kurzfristig einen Trampingrucksack, nachdem der, den ich mir erst organisiert hatte, keine Träger hatte.

Am Dienstag vor dem Start des Trips kaufte ich mir dann noch im Warehouse kurz vor unserer Abreise Wanderschuhe, eine Regenhose sowie dicke Socken.

Scheinbar gut ausgerüstet, brachen Theresa, Paul und ich am Dienstagabend bei starkem Regen deutlich später als geplant in Auckland auf in Richtung Tongariro National Park. Dort trafen wir uns mit Mari, Steffi und Johanna auf dem Mangahuia-Campingplatz, wo wir in Autos und Zelten übernachteten.

Mittwoch

In der Nacht hatte ich einen sehr komischen Traum, der in Passagen ziemlich real erschien. Ich schlief mit Paul im Auto. Am nächsten Morgen wollten wir zum Trampingtrip aufbrechen und ich freute mich schon sehr. Irgendwie war jedoch etwas an meinem Auto kaputt. Ich befand mich plötzlich mit dem Auto in einer Werkstatt, die einem Büro glich und bekam eine Rechnung über 1500$ für einen Schaden, den ich nicht nachvollziehen konnte. Ich war aufgebracht, da ich sowieso schon wenig Geld hatte und somit wohl nicht Trampen gehen könnte. Zu allem Überfluss kam auch noch ein Polizist vorbei und sah sich mein Auto an. Er öffnete die Beifahrertür, die sich auf der rechten Seite befand, und sah in das Handschuhfach. Dort befand sich eine Pistole. Der Polizist stellte mich zur Rede. Ich wusste nicht, ob ich mich ahnungslos stellen sollte oder ob ich angeben sollte, woher die Pistole kommen könnte, auch wenn ich letzteres überhaupt nicht genau wusste. Ich stammelte vor mich hin und es machte den Anschein, dass ich mich ertappt fühlte. Letztendlich konnte ich den Polizisten jedoch einigermaßen überzeugen, dass ich keine Ahnung hätte, woher die Waffe käme. Der Polizist meinte, dass ich einfach ein Formular ausfüllen müsste und dann würde schon alles kein Problem werden. Ein Verfahren würde es jedoch so oder so geben und außerdem müsste ich 1800$ wegen illegalen Waffenbesitzes zahlen. Wenn ich das Formular nicht ausfüllen würde, könnte ich jedoch zusätzlich meinen Führerschein verlieren ins Gefängnis wandern. Ich fing an, das Formular auszufüllen. Ich war ziemlich wütend, weil ich unbedingt auf den Trekkingtrip gehen wollte und jetzt alles schiefging. Nachdem ich schon die Hälfte ausgefüllt hatte, war ich so genervt von der ganzen Situation, dass ich aufhörte, das Formular auszufüllen und zurück zu Hohepa fuhr. Auf dem Weg fiel mir ein, wie die Pistole ins Handschuhfach gekommen war. Wir waren am Parkplatz Opfer eines bewaffneten Überfalls geworden, bei dem Paul dem Banditen die Pistole abgenommen hatte und ihn in die Flucht geschlagen hatte. Anschließend hatte er die Pistole ins Handschuhfach gelegt und nicht mehr herausgenommen. Dummerweise gerade ins Handschuhfach, wo sie jeder sofort finden würde. Während der Fahrt zu Hohepa bereute ich, dass ich das Formular nicht zu Ende ausgefüllt hatte.

In der nächsten Traumsequenz befand ich mich bei Hohepa in einem Haus, wo alle guys sowie Theresa und die Hauskoordinatorin am Essenstisch saßen. Ich war immer noch sehr wütend auf mich, da ich den Bogen nicht vollständig ausgefüllt hatte und mir nun eventuell eine Gefängnisstrafe ins Haus stand und vor allem auch auf Paul, durch dessen Leichtsinn ich erst in diese Situation geraten war. Die Hauskoordinatorin gab Theresa und mir ein Stück Papier, auf das wir ein Wort korrekt schreiben sollten, dass sie uns sagte. Es handelte sich um ein Wort, das eine Abwandlung eines normalen Wortes war und nur von der Hauskoordinatorin selbst benutzt wird, so wie sie es manchmal handhabt. Ich hatte überhaupt keine Lust auf diese Aufgabe, führte sie jedoch trotzdem aus und schrieb das Wort sogar – im Vergleich zu Theresa – richtig auf. Anschließend war der Traum beendet, da ich aufwachte. Ich war immer noch wütend auf mich und vor allem auf Paul. Als ich die Augen aufmachte, lag zu allem Überfluss Paul neben mir. Für einen Moment war ich wütend auf ihn und wollte etwas sagen, doch im nächsten Moment merkte ich, dass es nur ein Traum war. Ich schloss die Augen wieder, da es erst 6:30 Uhr war und schlief noch ein wenig.

Eine Stunde später standen wir auf. Es regnete immer noch sehr stark.

Nachdem wir gefrühstückt und alle Sachen in meinem und Maris Autos verstaut hatten, fuhren wir bei immer noch anhaltendem Regen nach Whakapapa Village zum Infocenter. Dort wurde uns abgeraten, den ersten 8,5 Kilometer langen und bei diesen Witterungsbedingungen 5 Stunden dauernden Abschnitt zur Mangatepopo Hut zu laufen, da einige Ströme ziemlich voll mit Wasser wären und man die ganze Zeit durch Matsch laufen würde.

Uns wurde geraten, mit dem Bus oder einem Auto zur Mangatepopo Hut zu fahren.

Wir entschlossen uns, Maris Auto am Parkplatz des Infocenters zu lassen und mit meinem Auto zum Parkplatz der Mangatepopo Hut zu fahren, wo wir die Nacht schlafen wollten. Wir kauften uns einen Hut Pass für den Track (25$/Nacht). Vorher wollten wir aber noch einen Track laufen, um uns an die Strapazen, die uns die nächsten Tage erwarten, zu gewöhnen. Wir entschieden uns dazu, den zweieinhalbstündigen Track zu den Taranaki Falls zu laufen – mit unseren etwa 20kg schweren Rucksäcken.

Wir machten uns auf und gingen durch einen Wald in Richtung der Taranaki Falls. Nach einer guten Stunde hatten wir sie erreicht. Das Wasser rauschte – auch bei strömendem Regen – wunderschön über eine Stufe einige zehn Meter in die Tiefe. Wir machten eine Pause und aßen etwas. Es war schön, den Rucksack einmal ablegen zu können, da er doch ziemlich schwer war.

Nach einiger Zeit gingen wir oberhalb des Wasserfalls in Richtung Whakapapa Village zurück.

Es regnete während des ganzen Tracks sehr stark. Meine Schuhe wurden am Ende etwas nass. Zu allem Überfluss hielt auch meine Regenhose dem Regen auf dem Rückweg von den Falls nicht mehr stand und meine Jeans sog sich mit Wasser voll, was das Laufen auch nicht einfacher machte.

Als wir wieder zurück waren, gingen wir zu einem halböffentlichen Trockner (eigentlich gehörte er zu einem Ferienresort) und trockneten dort unsere Wäsche – zumindest versuchten wir es, da einige Wäschestücke auch nach mehreren Trocknerdurchläufen noch nicht trocken war.

Nach gut zwei Stunden im Aufenthaltsraum des Ferienresorts machten wir uns zu den Autos auf.

Am Parkplatz luden wir alle Rucksäcke in mein Auto und das meiste, was wir nicht brauchen würden, in Maris Auto. Dann begaben wir uns alle in mein Auto – Theresa musste auf Maris Schoß sitzen – und fuhren zum Parkplatz der Mangatepopo Hut, von dem es noch eine halbstündige Wanderung zur Hut bedurfte.

Das Auto war fast mit dem Maximalgewicht beladen und fuhr dementsprechend schwerfällig und hatte einen langen Bremsweg.

Mittlerweile war das Wetter deutlich besser geworden, die meisten Wolken waren verschwunden und die Sonne war sogar herausgekommen.

Als wir am Parkplatz angekommen waren, nahmen wir unsere Rücksäcke und machten uns auf den Weg zur Mangatepopo Hut. Da meine Trampingschuhe noch nass waren, hing ich sie an meinen Rucksack und machte mich in Flip-Flops auf den Weg. Nach einigen Minuten merkte ich jedoch, dass ich meine Mütze sowie meinen Schal im Auto vergessen hatte. Während die anderen weitergingen, legte ich meinen Rucksack ab und musste ich mich noch einmal zum Auto aufmachen.

Da die anderen gewartet hatten, hatte ich sie bald wieder eingeholt. Dann war es auch nicht mehr so weit bis zur Hütte, die schön in der Wiesenlandschaft gelegen lag. Allerdings gab es nicht wie erhofft einen Bach in unmittelbarer Nähe, in dem man hätte baden können.

Die Hütte war sehr stark beheizt und es war mollig warm.
Wir stellten fest, dass wir keine dicken Schlafsachen brauchen würden. Außerdem bemerkten wir, dass es auf den Hütten keine Mülleimer gibt und man seinen Müll wieder mitnehmen muss.

Also brachten wir unsere dicken Schlafsachen, einen vollen Müllsack sowie Kleidung, die uns nun doch überflüssig erschien, zum Auto zurück.

Am Abend herrschte eine sehr nette Atmosphäre auf der Hütte. Wir unterhielten uns mit anderen Trampern, bevor wir kurz nach Sonnenuntergang (21 Uhr) ins Bett gingen.

Nachts wachte ich auf, da ich auf die Toilette musste, die sich draußen befand.

Der Himmel war sehr klar und man konnte sehr viele Sterne sehen.

Erst nach einer knappen halben Stunde ging ich wieder in die Hütte und legte mich schlafen.

Donnerstag

Am Donnerstag standen wir um 6:30 Uhr auf. Nach einem Porridge-Frühstück machten wir uns um kurz nach 8 Uhr bei wunderschönem Wetter auf in Richtung der 9 Kilometer und 5 bis 6 Stunden entfernten Ketetahi Hut.

Nachdem wir uns lange Zeit durch Wiesenlandschaft bewegt hatten, wandelte sich das Landschaftsbild mit zunehmender Laufzeit und Höhe in eine Steinlandschaft, wie man sie von Mordor aus dem Herrn der Ringe kennt. Auf den Wegen war recht viel los, denn wir befanden uns auf dem Abschnitt, den auch die Tramper benutzen, die den Tongariro Alpine Crossing, einen Eintagestramp, machen.

Nach gut zwei Stunden wurde es immer steiler. Es gab mehr und mehr Stufen zu erklimmen, die anstrengend heraufzulaufen waren. Der Mt. Ngauruhoe war lange Zeit von Wolken umgeben, kam aber, als wir die Stufen hinaufstiegen, aus diesen hervor und zeigte uns sein karges rötlich-braunes Antlitz mit weißer Schnee- und Eishaube.

Nach einer weiteren halben Stunde Aufstieg befanden wir uns an einer Abzweigung. Entweder konnte man dem normalen Weg in Richtung Ketetahi Hut folgen oder man nahm den Seitenweg zum Gipfel des Mt. Ngauruhoe. Während Steffi und Johanna den direkten Weg zur Hütte bevorzugten, wollten Mari, Theresa, Paul und ich versuchen, den Gipfel zu erklimmen, auch wenn wir keine Schneeausrüstung dabei hatten.

Nachdem wir die Rucksäcke abgelegt hatten, uns dick angezogen und eingecremt hatten sowie Essen eingesteckt und Wasserflaschen in Haltekonstruktionen aus Regenhosen verstaut und diese um unseren Körper gebunden hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Gipfel. Es gab keinen vorgeschriebenen Weg, allerdings einige andere Leute, denen man folgen konnte.

Im unteren Bereich des 2290m hohen Berges befand sich grobes Vulkangestein, welches immer rötlicher wurde, je höher man kam. Die Steigung wurde immer heftiger und das Gestein loser. Man rutschte des Öfteren wieder ein kleines Stück hinunter, nachdem man einen Schritt hinauf gemacht hatte.

Manchmal lösten sich auch Steine und rollten den Berg hinunter. Man musste etwas aufpassen, dass man nicht unerwartet von Steinen getroffen wurde und keine Steine in zu starke Bewegung brachte und andere Tramper gefährdete.

Im Bereich unmittelbar unterhalb des Gipfels lag viel Schnee. Es war recht glatt und man hatte Probleme, voranzukommen. Letztendlich schafften wir es aber nach etwa anderthalb Stunden Kletterei auf den Gipfel. Der Aufstieg hatte sich gelohnt. Wir befanden uns am Rande eines recht großen Kraters, über den Wolken, und  genossen den Ausblick über den Nationalpark mit seinen Vulkanen und Seen. Wir machten einige Fotos von uns und der Landschaft. Man hatte einen sehr schönen Blick auf den Mount Ruapehu und konnte sogar den Mount Taranaki, der mehr als 100 Kilometer entfernt ist, sehen.

Nachdem wir genug Fotos gemacht hatten, zerstörten wir den Einen Ring im Feuer des Schiksalsbergs und retteten so die Welt vor dem Bösen – in Wahrheit hatte ich nur eine Traubenzuckertablette in den Krater geworfen und Theresa ihren Ring behalten, allerdings war Sauron auf den billigen Trick hereingefallen. Da der Schiksalsberg nun bald ausbrechen und Sauron ein für alle Male besiegt sein würde, begaben wir uns anschließend auf den Rückweg (nur zur Info: letztendlich brach der Vulkan doch nicht aus, wieder so eine Erfindung Tolkiens…).

Wir fanden schnell heraus, dass es am schnellsten und einfachsten war, einfach den Schnee herunterzurutschen. Man nahm einiges an Geschwindigkeit auf und hatte viel Spaß bei der doch recht rasanten Fahrt gen Tal.

Nachdem das Eis der Vulkansand- und Vulkangesteinswüste wich, nahm der Spaß nicht ab, denn der Sand war so tief, dass man sehr schön den Hang hinunterlaufen oder -springen konnte.

Nach einer guten halben Stunde erreichten wir unseren Ausgangspunkt, wo wir unsere Rucksäcke hatten stehen lassen. Sie standen immer noch da. Nach einer etwas längeren Pause machten wir uns auf den Weg in Richtung Ketetahi Hut. Nach dem Durchlaufen einer wüstenähnlichen Ebene ging es an den nächsten Anstieg, dieses Mal hinauf zum Red Crater. Der Krater sah sehr schön aus und wir genossen den Ausblick. Als wir uns den Krater ansahen, sahen wir zwei Südländer, die doch tatsächlich in Karohemden, Röhrenjeans und Bootsschuhen, mit einer einzigen Wasserflasche (für beide!) bepackt, den Tongariro Alpine Crossing, der immerhin 19 Kilometer lang ist, bestritten. Sie sahen schon sehr müde aus.

Es ging noch kurz bergauf, bevor es zu den Emerald Lakes hinab ging. Meine Schuhe machten mir beim Abstieg deutlich, dass sie Warehouse-Qualität hatten, denn ihre Sohlen waren beim Abstieg vom Mt. Ngauruhoe so dünn geworden, dass ich jeden Stein beim Abstieg vom Red Crater spürte und mir die Füße sehr stark wehtaten.

Der Blick auf die wunderschön türkis leuchtenden Emerald Lakes entschädigte aber für einiges.

Anschließend ging der Weg weiter zum Blue Lake hinauf, der auch sehr schön aussah.

Anschließend dachten wir, schon fast bei der Hütte zu sein, es dauerte jedoch noch eine Stunde, bis wir dort ankamen. Vorher mussten wir noch durch eine Wiesenlandschaft um einen Berg herum, auf dem Weg Schneeflächen überqueren und dann, als man die Hütte schon sah, schier endlos lange Serpentinenwege durch Strauchlandschaft hinabsteigen.

In der Hütte angekommen, entspannten wir uns etwas, bevor wir uns mit kaltem Wasser und unserem Shampoo in einem Waschbecken wuschen. Von der Hütte hatte man einen sehr schönen Ausblick auf den Lake Rotaira sowie auf den Lake Taupo und darüber hinaus.

Wir genossen den Ausblick und die Sonne, aßen unser Abendessen und gingen dann früh schlafen.

Nachts sah ich mir wieder die Sterne an, die wundervoll am Nachthimmel glitzerten.

Freitag

Am Freitag standen wir um 6 Uhr auf und machten uns nach einer Portion Porridge um kurz nach 7 Uhr bei wieder einmal ausgezeichnetem Wetter auf in Richtung Waihohonu Hut, die 16,5 Kilometer Wegstrecke und etwa 7 Stunden entfernt von der Ketetahi Hut liegt. Mein Rucksack fühlte sich ziemlich leicht an, nachdem wir die Hälfte der Nudeln gegessen hatten. Als wir wieder bei den Emerald Lakes angekommen waren, begaben sich Paul, Theresa und ich nach dem Ablegen unserer Rucksäcke auf den Weg hinauf zum Mt. Tongariro, während Mari, Steffi und Johanna direkt in Richtung Waihohonu Hut liefen. Paul, Theresa und ich mussten erst den Anstieg zum Red Crater hinauf, bevor wir uns in Richtung Gipfel begaben. Es war ziemlich windig und zeitweise etwas wolkig, doch als wir nach etwa 40 Minuten den Gipfel erreichten, war wunderbare Sicht. Der Weg hinauf war nicht so schwierig gewesen. Manchmal mussten jedoch größere Schneepassagen überwunden werden. Da es noch recht früh war, waren zum Glück kaum andere Leute unterwegs. Nachdem wir einige Zeit auf dem Gipfel verbracht, Fotos gemacht und uns gestärkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Bei den Schneepassagen rutschte ich einige Male aus, da meine Sohlen sehr dünn und labil waren.

Den Abstieg vom Red Crater liefen und sprangen wir hinunter. Die anderen Tramper sahen uns dabei amüsiert, aber verwundert zu. Einige probierten es auch aus.

Nachdem wir unsere Rucksäcke wiederhatten, machten wir uns in Richtung Waihohonu Hut auf.

Zuerst ging es an einen Abstieg, der mit meinen Schuhen sehr unangenehm war.

Die Landschaft war von Sträuchern und Büschen geprägt. Wir begegneten so gut wie keinen Leuten.

Nachdem wir im Tal angekommen waren, das Laufen leichter fiel und wir uns schon ordentlich fortbewegt hatten, machten wir eine Mittagspause.

Nachdem wir wieder aufgebrochen waren, änderte sich die Landschaft und wir befanden uns bald in einer riesigen kargen Wüste.

Nach wie vor konnte man Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu bewundern. Nachdem wir lange durch Wüstenlandschaft gewandert waren und einige Täler sowie Talsperren durch- bzw. überquert hatten, erblickten wir einen Wald. Der Weg führte uns direkt in den Wald, wo es noch einmal steil wurde. Irgendwann kamen wir aus dem Wald heraus und befanden uns wieder von Wüstenlandschaft umgeben. Der nächste Waldabschnitt war allerdings schon zu sehen. Wir sahen auch ein Gebiet im Wald, das eine Hütte darstellen könnte. Nachdem wir die Wüstenlandschaft abermals hinter uns gelassen hatten, kamen wir in den Wald und nach einer knappen halben Stunde hatten wir die Hütte erreicht – müde, aber glücklich. Theresa, Paul und ich begaben uns auch bald zum Bach. Das Wasser war ziemlich kalt, die Freude über ein richtiges Bad ließ aber jegliche Zierde vergessen. Paul hatte seine Unterwasserkamera dabei, sodass wir sogar Unterwasserfotos machten.

Nachdem wir unsere Dusche beendet hatten, machten wir uns unser Abendessen, setzten uns nach draußen und sonnten uns.

Am Himmel war eine sehr schöne Wolke, die wir uns ansahen. Sie verwandelte sich unter anderem in ein Gesicht, ein Küken und einen Elefanten.

Nachdem es dunkel wurde, sahen sich Paul, Theresa und ich noch kurz den Sternenhimmel an, der wieder einmal sehr schön war, bevor wir uns schlafen legten.

Samstag

Am Samstag standen wir wieder mit allen anderen Trampern um 6 Uhr auf.

Kurz nach 7 Uhr machten wir uns dann auf nach Whakapapa Village, das knapp 6 Stunden und 14 Kilometer entfernt war.

Die meiste Zeit des Tages gingen wir durch recht langweilige Strauchlandschaft. Am Wegesrand lagen auch einige große Plastiksäcke, da gerade neue Wege gebaut werden.

Das Wetter war erst noch gut, sodass man gut in Shorts herumlaufen konnte, nach einiger Zeit wurde es jedoch schlechter und als wir eine Pause in Ausbuchtungen eines Hügels machten, fing es sogar an zu regnen.

Nach der Pause fing es etwas stärker an zu regnen. Dennoch entschlossen sich Paul, Theresa, Mari und ich zusammen mit einem Tasmanier, den wir auf den Hütten kennen gelernt hatten und der uns eingeholt hatte, zum Lower Tama Lake zu gehen.

Anschließend begaben wir uns auf die letzten Kilometer in Richtung Whakapapa Village.

Irgendwann erreichten wir die Taranaki Falls. Die Strecke zurück zum Infocenter fühlte sich daraufhin sehr lang an. Kurz vor 12:30 Uhr erreichten wir dann letztendlich das Infocenter, wo sich Steffi und Theresa schon befanden.

Geschunden wie wir waren, setzten wir uns auf eine Bank, umarmten und beglückwünschten uns und waren froh, dass der Tramp zu Ende war. Wir aßen unsere letzten Vorräte und waren einfach nur glücklich, nicht laufen oder tragen zu müssen.

Dann fuhr ich mit Mari zum Mangatepopo Parkplatz. Mein Auto stand noch. Mari fragte mich, ob es normal sei, dass das Schloss der Beifahrertür etwas ramponiert sei. Es sah etwas ungewohnt aus, doch ich hatte mir das Schloss noch nie genauer angesehen gehabt, sodass ich nicht wusste, ob es vorher schon so aussah. Ich sagte Mari, dass das Schloss schon immer ramponiert gewesen sei.

Nachdem ich bei Mari ausgestiegen war, fuhr sie weg. Ich stieg in mein Auto und fuhr ihr hinterher. Ich wunderte mich, dass die kleine Ablage in der Mitte des Armaturenbretts geöffnet war, schloss sie aber einfach, da ich dachte, dass wir sie vielleicht extra geöffnet hatten, um zu zeigen, dass es keine Wertsachen zu holen gäbe. Auf dem Weg fiel mir auf, dass die Mappe mit den CDs nicht mehr auf dem Beifahrersitz stand, wo wir sie hingelegt hatten und dass die Essenstüte mit dem Abendessen nicht mehr im Fußbereich der Beifahrersitzes stand. Ich fuhr anschließend etwas schneller, da ich schnell in den Kofferraum sehen wollte, um zu sehen, ob noch alles da ist.

Am Whakapapa-Village-Parkplatz angekommen, bewahrheitete sich, dass ins Auto eingebrochen wurde. Das Essen, die CDs, eine meiner Jeans, meine schwarze Sweatshirtjacke und eine Garnitur frische Unterwäsche von mir waren weg, außerdem ein Gürtel von Paul und ein Gürtel und ein Pulli von Theresa. Mein Radio war allerdings nicht geklaut worden.

Nachdem Mari ihre Sachen aus meinem Auto und alle Sachen von uns aus ihrem Auto genommen hatte, verabschiedete sie sich von uns. Schon wieder sollten sich unsere Wege trennen.

Ich bin mir aber sicher, dass wir uns schon bald wieder sehen werden.

Die verbliebenen Tramper bestehend aus Paul, Theresa, Steffi, Johanna und mir luden das Gepäck in mein Auto und fuhren in Richtung Taupo, wo ich Steffi und Johanna absetzte, da sie in Taupo einen Job finden wollten.

Paul, Theresa und ich fuhren indes weiter zum Thermal Park in Taupo, wo wir  uns in einem hot stream von den Strapazen der letzten Tage entspannten.

Anschließend fuhren wir nach Auckland zurück, wo wir gegen 22:30 Uhr nach einem langen, ereignisreichen und sehr schönen Trip müde ankamen und schon bald müde in unsere Betten fielen.

P.S.: Mittlerweile habe ich das Geld für meine Trampingschuhe aufgrund eines Materialfehlers zurückerstattet bekommen.

Besuch mit Panne

•31. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Diese Woche haben wir Freiwilligen unerwartet altbekannten Besuch – quasi aus den eigenen Reihen – bekommen. Nachdem sie nördlich von Auckland Urlaub gemacht, gearbeitet und schließlich zehn Tage lang in einem Vipassana-Meditationscenter meditiert hatte, kam uns Mari bei Hohepa besuchen.

Eigentlich wollte sie nur eine Nacht bleiben und dann auf die Coromandel Peninsula weiterfahren, doch wie es so im Leben ist, kommt es oft ganz anders als man denkt.

So blieb Mari von Montag bis Freitag bei Hohepa. Sie hatte somit viel Zeit, uns von ihren überaus interessanten und beeindruckenden Erfahrungen während ihres Meditationsseminars zu berichten.

Am Mittwoch gingen Mari, Theresa und ich zu einem Couchsurfing-Meeting.

Letzte Woche war ich, nachdem ich von Géraldine und Mathieu, Freunden von der French Language Meetup Group, dazu eingeladen war, zum Treffen der Spanish Language Meetup Group gegangen. Nachdem ich dort war, war ich zusammen mit den beiden und Felipe, einem Chilenen, den wir während des Treffens kennen gelernt hatten, das erste Mal zum Couchsurfing-Meeting gegangen. Es handelt sich um ein lockeres Treffen in einer Bar, zu dem Einheimische und weniger Einheimische kommen, um Schlafgelegenheiten anzubieten bzw. in Anspruch zu nehmen, um so Geld zu sparen, interkulturelle Kontakte zu knüpfen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Allerdings kann man dort auch nur so hingehen, um Leute kennen zu lernen und sich nett zu unterhalten – in allen möglichen Sprachen.

In der Couchsurfing-Bar war sehr viel los und man konnte sich gut mit Menschen verschiedenster Herkunft unterhalten.

Während Theresa und ich das Treffen ausschließlich dazu nutzten, Leute kennenzulernen und uns mit ihnen zu unterhalten, suchte Mari nach Möglichkeiten, nach Hamilton oder Wellington zu fahren und dort zu übernachten. Sie fand allerdings letztendlich keine Möglichkeiten. Nachdem es beim Couchsurfing recht leer wurde und Mari keine Hoffnung mehr hatte, gingen wir zu meinem Auto zurück, mit dem wir gekommen waren und das ich am Hafen geparkt hatte. Es war 22:30 Uhr. Theresa wollte noch unbedingt in eine Salsa-Bar gehen, die sich auf der K-Road befindet. Wir machten uns auf den Weg. Während der Fahrt flackerte das Licht des Radios sehr stark. Ich dachte, dass das Radio vielleicht aus der Fassung gesprungen sei. Ich konnte das Problem allerdings nicht beheben, sodass ich das Radio einfach ausschaltete. Wir fuhren weiter bis zur Queen Street, der Haupteinkaufsstraße Auckland. Am Ende der Queen Street, Ecke K-Road, wo es recht steil bergauf geht, war die Ampel rot. Ich wollte nach rechts abbiegen. Vor mir standen noch zwei andere Autos. Als es grün wurde und die beiden Autos losfuhren, wollte auch ich losfahren. Ich ging aufs Gas, doch das Auto bewegte sich nicht. Stattdessen blinkte die rote Öllampe für weniger als eine Sekunde auf und anschließend gingen alle Lichter und der Motor aus. Ich konnte ihn auch nicht mehr starten. Wir standen also ziemlich verloren mitten auf der Hauptstraße Aucklands. Wir machten den Warnblinker an, der Wagen hinter uns fuhr jedoch komischerweise nicht an uns vorbei. Mari stieg aus und wollte dem Fahrer mitteilen, dass wir eine Panne hätten. Es stellte sich heraus, dass der Wagen hinter uns ein Polizeiwagen war. Drei Polizisten stiegen aus und schoben das Auto mit uns auf den Bürgersteig. Dann fuhren sie weiter. Ich rief den AA an. Sie sagten, dass sie kommen würden. Während wir warteten, überprüften wir den Ölstand. Er war niedrig, allerdings nicht so niedrig, dass er der Auslöser für den breakdown gewesen hätte sein können.

Nach einer knappen Viertelstunde kam ein Wagen des AA. Mein Auto wurde inspiziert. Es wurde festgestellt, dass die Batterie leer war und von der Lichtmaschine nicht mehr richtig aufgeladen wird. Uns wurde mitgeteilt, dass wir abgeschleppt werden müssten. Theresa war etwas enttäuscht, dass wir nicht mehr zum Salsa-Tanzen gehen würden. Allerdings nahm sie den breakdown wie Mari und ich mit viel Humor.

Wir warteten also auf einen Abschleppwagen. Auf der Queen Street liefen um diese Uhrzeit fast nur noch komische Gestalten her. Es waren einige sturzbetrunkene Personen und einige Junkies unterwegs. Ein paar von ihnen sahen uns sehr komisch an, als würden wir auf dem Bürgersteig parken. Ein sehr neben sich stehender Mann fasste die ganze Zeit auf die Motorhaube. Nachdem er weg war, entschlossen sich Mari, Theresa und ich ein Video zu drehen. Wir hatten sehr viel Spaß. Da der Abschleppwagen so lange brauchte, machten wir ein sehr langes Video. Während des Videos rief Mari den AA noch einmal an und fragte, wann denn der Abschleppwagen endlich käme. Es waren zwar schon ein paar Abschleppwagen an uns verbeigefahren, jedoch schien keiner für uns bestimmt gewesen zu sein. Mari wurde versichert, dass er schon auf dem Weg sei. Es dauerte allerdings noch einige Zeit bis er endlich kam. Der Mann vom Abschleppdienst, Mari, Theresa sowie ein seriös aussehender, aber doch sehr betrunkener Mann schoben mein Auto auf die Straße zurück und von dort vor den Abschleppwagen. Das Auto wurde mit Drahtseilen am Abschleppwagen befestigt und langsam auf die Plattform eben jenes gezogen. Der betrunkene Mann griff einige Male ins Lenkrad, weil ich es angeblich nicht gerade genug hielte. Währenddessen drehten wir noch ein weiteres Video.

Ein drittes Video machten wir von den komischen Leuten, die am Bürgersteig umherwankten.

Darunter war ein Mann, der sich nach einer Weile auf eine Bank setzte und anfing, sich etwas aus einer Spraydose in die Nase zu schießen.

Als wir komplett auf der Plattform waren und sich der Helfer verabschiedet hatte, begaben sich Mari, Theresa und ich in die Fahrerkabine. Der Fahrer meinte, er müsste noch einmal in die andere Richtung nach Onehunga fahren, weil er seinen Quittierblock dort vergessen hätte. Als wir schon fast auf dem Motorway waren, drehte sich Theresa zum Auto um. Sie sah eine Hand, die sich an einem der Drahtseile festhielt. Als sie sich komplett umdrehte, sah sie, dass der Mann mit der Sprayflasche auf der Plattform saß und sich dort versteckte. Sie fragte den Fahrer, ob es normal sei, dass jemand auf der Plattform mitfahre. Der Fahrer war sehr verwundert und hielt an. Als er nachsah, sprang der Junkie von der Plattform, freute sich und machte dem Fahrer eine lange Nase. Nach diesem Zwischenfall fuhren wir weiter. Der Fahrer fuhr noch tanken und dann zu seiner Arbeitsstelle. Nachdem er den Quittierblock aus seinem Büro geholt hatte, fuhr er in Richtung Titirangi zurück. Er wollte das Auto bei einer Werkstatt abstellen. Dort angekommen, wollte der Fahrer mein Auto erst in einem Bremstestbereich abstellen, wo das Parken strikt verboten ist. Nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, ließ er mein Auto dann aber direkt neben der Werkstatt nieder. Wir fragten den Fahrer, ob er uns noch nach Hause fahren könne, da die Werkstatt einige Kilometer von Hohepa entfernt ist. Er sagte, dass er es eigentlich nicht machen dürfte und ständig über GPS ausfindig gemacht werden könne. Letztendlich machte er es aber trotzdem. Nachdem er uns abgesetzt hatte, waren wir nach den Turbulenzen des Abends doch sehr froh, dass wir uns schlafen legen konnten.

Wir hatten auf jeden Fall einen lustigen Abend gehabt – nicht trotz, sonder gerade wegen der Panne.

(Mittlerweile ist mein Auto wieder repariert, die Lichtmaschine funktioniert

Am Donnerstag verbrachten Theresa, Maria und ich einen weiteren schönen Tag mit Mari, als wir während meiner split-shift-Pause zusammen Lasagne machten und sie bei wunderschönem Wetter draußen in der Sonne aßen, gefolgt von Eis mit Fruchtsalat.

Am Freitag hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Nachdem ich noch einen sehr schönen Morgen mit Mari verbracht hatte, bei dem wir unter anderem leckere gesunde Muffins backten, machte sie sich auf zu neuen Ufern.

Ich bin gespannt, wann wir uns wieder sehen werden und hoffe, dass es nicht in allzu weiter Ferne sein wird…

Den Nationalhelden ganz nahe

•22. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Gestern habe ich die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft, die All Blacks, beim Training gesehen. Es handelte sich um ein öffentliches Training, dass man sich umsonst ansehen konnte. Es fand im Trusts Stadium statt, dem Stadion, in dem ich Lauftraining habe.

Es war die Chance, die Rugby-Nationalspieler, die hier in Neuseeland, wo Rugby Nationalsport Nr. 1 ist, wie Halbgötter verehrt und gefeiert werden, hautnah zu erleben. Während der Arbeitszeit fuhr ich mit anderen Mitarbeitern und Freiwilligen sowie den guys zum Stadion, wo die All Blacks bereits angefangen hatten zu trainieren. Bei dem so genannten Training handelte es sich jedoch eher um eine Promotion-Veranstaltung als um hartes Training, so dass es ein bisschen langweilig war. Die Stimmung auf der Tribüne war auch nicht gerade umwerfend. Außer ein bisschen Hin- und Hergekicke und –gewerfe passierte auf dem Spielfeld nicht viel. Immerhin gab es einen guten Zweck der Veranstaltung, denn Freiwillige sammelten während der Veranstaltung Spenden für die Tsunamiopfer auf Samoa.

Fast hätte ich am Abend doch noch ein richtiges Training der All Blacks gesehen, denn am Abend durfte meine Laufmannschaft nicht auf der Bahn des Stadions trainieren, da sich die All Blacks angesagt hatten. Als wir jedoch mit dem Training am Nebenplatz fertig waren, war von den All Blacks immer noch keine Spur zu sehen. Meine Mannschaftskameraden erzählten mir, dass es ganz normal wäre, dass die All Blacks im Stadion trainieren würden. Im Laufe eines Jahres würde das einige Male vorkommen. So habe ich vielleicht doch noch die Möglichkeit, die All Blacks in wirklicher Aktion zu sehen.

Noch lieber als beim Training würde ich sie jedoch bei einem richtigen Spiel, am liebsten gegen den Erzrivalen aus Australien, sehen.

Hoffentlich werde ich diese Möglichkeit noch erhalten…

Schwarzäugige Erbsen im grünen Land

•14. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Gestern war ich beim Konzert der Black Eyed Peas in der Vector Arena.

Ich hatte sehr viel Glück, dass ich zum Konzert gehen konnte. Bisher hatte ich immer dienstags split- shift gearbeitet, also von 6:30 Uhr bis 9 Uhr und von 16 Uhr bis 21:30 Uhr. Ab dieser Woche werde ich dienstags jedoch von 8-16 Uhr im Garten arbeiten.

Da ich nicht damit gerechnet hatte, Zeit zu haben, um zum Konzert gehen zu können, hatte ich noch kein Ticket. Ich wollte es auf dem Schwarzmarkt versuchen.

Weil ich noch kein Ticket hatte und nicht wusste, ob ich überhaupt zum Konzert gehen könnte, wollte ich kein Geld fürs Parken ausgeben. Also fuhr ich zum Hafen und stellte mein Auto dort ab, neben einer Baustelle. Eigentlich durfte man dort nicht parken, aber es standen schon einige Autos dort, also stellte ich mich dazu. Es waren nur fünf Minuten zur Arena. Dort standen schon viele Tausend Leute. Ich machte mich auf die Suche nach Schwarzmarktverkäufern, konnte jedoch keine finden. Letztendlich fragte ich am Ticketschalter nach, ob es nicht noch Tickets gäbe. Es gab tatsächlich noch einige wenige Sitzplatztickets, allerdings nur noch teure für 131$. Ich kaufte mir eines dieser Tickets und ging dann wenig später in die Arena. Mein Platz war direkt neben dem Eingang in den Stehplatzbereich. Neben mir saßen zwei Araber. Einer fragte mich, ob ich nicht mit ihm Plätze tauschen wollte. Ich hatte nichts einzuwenden, da ich bei meinem Platz eine Stange im Blickfeld hatte, wenn ich mich zurücklehnte. Als Vorband traten Elements auf, die die Stimmung mit ihrer Hip-Hop-Mischung aus Rap und Crunk aufheizten. Als die Vorband aufhörte zu spielen und das Licht wieder anging, kam ein Ordner und fragte mich und die beiden Araber, ob wir nicht in den Innenbereich wollten. Wir sagten natürlich sofort zu. Nach ein paar Minuten kam der Ordner mit einer Mutter und ihren beiden kleinen Kindern wieder und wir gingen in den Innenraum, wo wir ziemlich nahe an der Bühne waren, während die Familie unsere Plätze einnahm. Wir freuten uns sehr. Daraufhin unterhielt ich mich längere Zeit mit den beiden Studenten. Sie hatten die Plätze mit mir tauschen wollen, da sie versuchen hatten wollen, in den Innenbereich zu kommen. Letztendlich hatten sie es so wie ich auch mit legalen Mitteln geschafft, dorthin zu gelangen. Nachdem wir zusammen ein Foto gemacht hatten, ging das Konzert auch schon bald los. Los ging es mit „Let’s Get It Started“. Es folgten einige Songs vom neuen Album „The E.N.D“ sowie alte Songs von den vorherigen Alben „Monkey Business“ und „Elephunk“. Außerdem performte Fergie einige Songs von ihrem Solo-Album „The Dutchess“. In der Mitte des Konzerts machte will.i.am den DJ und mixte einige Partysongs zusammen und performte dazu. Das Konzert ging insgesamt knapp zweieinhalb Stunden und war sehr gut. Es war das letzte Konzert der Tour. Besonders will.i.am schien (deshalb?) bester Laune zu sein, da er sehr viel mit dem Publikum redete und mit seinen Scherzen für gute Laune sorgte. Die Stimmung war ausgezeichnet und alle Leute sangen bei den Songs lauthals mit.

Noch immer im Bann des großartigen Konzerts ging ich anschließend zu meinem Auto zurück, das immer noch am selben Ort stand und auch keinen Strafzettel angeheftet hatte.

So passte an diesem Abend einfach alles und ich werde mich noch lange an ihn erinnern.

Wenn die guys Ferien haben…

•12. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Letzte Woche war der Arbeitsalltag anders als normalerweise.

Der Tagesdienst „Helios“, wo die guys normalerweise tagsüber sind und diversen Tätigkeiten wie z.B. Malen oder Sport machen nachgehen, hatte geschlossen.

Statt tagsüber zu Helios zu gehen, fand ein Alternativprogramm statt.

So ging ich einen Tag mit ein paar guys ins Kino und sah den Film „G-Force“ in 3D. Die guys liebten die 3D-Brillen. Die 3D-Technik war sehr beeindruckend, auch wenn der Film nicht unbedingt meinem Geschmack entsprach. Dafür gefiel er besonders einer behinderten Frau sehr gut. Sie ist fast 50 Jahre alt, ist sehr, sehr klein und benimmt sich wie eine Dreijährige in der Grabbelphase. Sie hat zwei Meerschweinchen und war sehr angetan davon, dass in dem Film Meerschweinchen die Helden sind.

Nach dem Film sagte sie sich einige Male vor sich hin: „Ich wusste gar nicht, dass Meerschweinchen sprechen können. Das muss ich meinen Meerschweinchen erzählen!“

An einem anderen Tag ging ich mit einigen guys zum Minigolf spielen und zum Bowling. Einige guys überraschten und waren ziemlich gut.

An einem anderen Tag sahen wir uns das Theaterstück „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ (Narnia) an und an einem weiteren Tag machten wir einen Ausflug auf den Mt. Victoria im schönen Viertel Devonport.

Das vielleicht größte Highlight der vergangenen Woche war trotz all der schönen Ausflüge vermutlich die SingStar-Party, die wir Freiwilligen organisierten. Es war wunderschön anzusehen (wenn auch nicht unbedingt so schön anzuhören), wie die guys hemmungslos ihr (größtenteils nicht vorhandenes) Gesangstalent auspackten und dazu tanzten.

Solch eine abwechslungsreiche Woche können die guys aber nicht immer haben, denn Routinen sind für sie sehr wichtig, denn dadurch bekommen sie Sicherheit für ihr Leben und fühlen sich wohler.

Ein typischer „Arbeitstag“ (=Wochentag), so wie heute wieder einer ist, sieht für die guys folgendermaßen aus:

  • 6:30 Uhr aufstehen, anziehen und evt. duschen (oder abends)
  • danach Morgenkreis
  • anschließend Frühstück, Tisch abräumen, Geschirr spülen (oder zumindest in den Geschirrspüler räumen) und Zähneputzen
  • 8:45 Uhr Abfahrt zu Helios
  • 9 Uhr brain gym (Aufwärmübungen)
  • anschließend Arbeit in der jeweiligen Gruppe
  • 10:30-11 Uhr morning tea
  • anschließend Arbeit in jeweiliger Gruppe
  • 12:30-13:30 Uhr Mittagessen
  • anschließend Arbeit in jeweiliger Gruppe
  • 15-15:15 Uhr afternoon tea
  • anschließend Aufräumen
  • 15:45 Uhr Abfahrt zurück zu Hohepa
  • nach Ankunft Vorbereitung der Lunchbox für den nächsten Tag
  • dann Entspannung oder Dusche (wenn nicht morgens)
  • 18 Uhr Abendessen
  • danach Abendprogramm (indoor bowls (=Mischung aus Boccia und Kegeln mit Kugeln, die auf einer Seite schwerer sind als auf der anderen), Schwimmen, residents meeting, Film- oder Fernsehabend)
  • 21:30 Uhr Abendkreis
  • daraufhin Zähne putzen und ins Bett

Am Wochenende ist der Tagesablauf nicht so straff.

Samstags wird in der Regel sauber gemacht und sonntags werden Ausflüge unternommen.

Wie auch immer die Arbeitstage aussehen, die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, ist erfüllend und fühlt sich nicht wirklich wie Arbeit an.

So lässt es sich leben…

Im Alltag angekommen – oder auch nicht…

•7. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Jetzt bin ich schon seit gut zwei Monaten in Neuseeland und mittlerweile bin ich hier richtig angekommen.

Die Arbeitsabläufe sind alle zur Routine geworden und ich habe die guys schon gut kennengelernt.

Ich komme sehr gut mit ihnen klar. Je länger man mit ihnen zusammenarbeitet, desto mehr vergisst man ihre Behinderung(en). Letztendlich haben sie dieselben Bedürfnisse wie alle anderen Menschen auch, nur haben sie eben in ihrem Leben einige Hindernisse mehr zu überwinden als nichtbehinderte Menschen. Viele der guys sind sehr cool drauf und ich habe sie innerhalb kürzester Zeit lieb gewonnen. Auch wenn die Arbeitsabläufe zum Alltag werden, so passieren bei der Arbeit jedoch eigentlich täglich lustige kleine Sachen, über die man sich anschließend sehr gut mit den anderen Freiwilligen austauschen kann. Deshalb gibt es immer etwas zu lachen und wir haben schon unzählige Insiderwitze. Wenn wir abends weggehen, werden auch gerne einmal guys imitiert. Dann werden wir von den anderen Discobesuchern zwar meistens etwas irritiert angesehen, doch dafür haben wir sehr viel Spaß.

Es passieren manchmal aber auch weniger lustige Dinge, die so gar nicht in den Alltag passen. Zum

Beispiel wurde ich neulich das erste Mal Zeuge eines tonisch-klonischen Epilepsieanfalls. Es war schon Nacht und ich kam gerade aus der Lounge zu meinem Cottage, wo ich nachts immer alleine mit meinen beiden Mitbewohnern bin.

Einer meiner Mitbewohner saß auf der Couch und starrte apathisch in eine Richtung. Kurz nachdem ich reinkam, fing er an, sehr stark am ganzen Körper zu zittern und zu stark zu röcheln. Sein Kopf war in den Nacken gefallen und er schien keine Luft mehr zu bekommen. Auch wenn ich wusste, dass er Epilepsie hat und so seine Anfälle aussehen würden, so war es doch etwas ganz Anderes, einen solchen Anfall selbst mitzuerleben. Im ersten Moment sieht es nämlich so aus, als würde diese Person im nächsten Moment ersticken.

Zum Glück hatte ich beim Schulsanitätsdienst gelernt, wie man sich bei epileptischen Anfällen verhalten soll, denn ich hatte als einziger Freiwilliger noch kein Epilepsietraining erhalten, da es stattfand, als ich mit Klaus in Sydney war (Klaus hatte es schon bei der letzten Runde absolviert gehabt). So konnte ich die richtigen Maßnahmen ergreifen.

Wir Freiwilligen kommen weiterhin sehr gut miteinander aus und die Stimmung ist eigentlich durchweg karibisch fröhlich.

Letzte Woche waren wir bei einer Oktoberfestparty. Klaus packte gleich seine Lederhosen aus, die er aus der Heimat mitgebracht hatte. In diesem Gewand war er allerdings der Exot der ganzen Veranstaltung…

An meinen freien Tagen (Freitag und Samstag) fahre ich auch weiterhin zu meiner Freundin, wo ich immer wieder eine schöne Zeit mit ihr und ihrer überaus netten Familie verbringe.

Mittlerweile habe ich auch schon einige ihrer Freundinnen und Freunde kennengelernt.

Neulich waren wir zusammen auf einer Party des Kiwi Asian Clubs. Die Party fand in zwei Clubs statt. Insgesamt kamen an die tausend Leute, darunter neben mir auch noch vielleicht fünf andere Nichtasiaten.

Meine Freundin hat mittlerweile auch schon die anderen Freiwilligen kennengelernt. Zusammen sind wir abends weggegangen und haben die Clublandschaft Aucklands weiter erkundet.

Manchmal gehen wir Freiwilligen zu Burger Fuel, einer um Längen leckereren, gesünderen und stilvolleren neuseeländischen Variante von McDonald’s.

Als ich einmal mit Klaus und Paul dort war, geschah etwas sehr Komisches. Alle drei wurden von ein und derselben Person am Schalter bedient. Als wir anschließend auf unsere Bons sahen, stellten wir fest, dass bei Klaus und Paul ein gewöhnlicher Name hinter der Spalte „Verkäufer“ angegeben war, doch bei mir stand dort – „God“! Wenn das nicht mal ein Zeichen war…

Inzwischen bin ich auch einem Laufverein beigetreten. Ich bin jetzt Mitglied im „Waitakere City Athletic Club“ und war heute das erste Mal beim Training. Meine Trainerin und meine Mannschaftskameraden sind sehr nett. Beim Training merkte ich, dass ich noch sehr viel Trainingsrückstand habe, da ich die letzten Monate leider nicht so viel zum Trainieren gekommen bin. Demnächst geht die Bahnsaison los. Bis dahin bin ich hoffentlich besser in Form.

Einmal im Monat gehe ich jetzt mit Theresa, die mehrere Monate in Frankreich als Au-Pair gearbeitet hat, zum Treffen der Auckland French Language Meetup Group. Es handelt sich um ein Treffen in einer Bar, wo sich Muttersprachler und Nicht-Muttersprachler treffen, um sich auf Französisch zu unterhalten. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, man kommt schnell ins Gespräch und lernt viele Leute kennen.

Ausflüge mache ich auch weiterhin noch, solange es das Wetter zulässt. Hier ist jetzt Frühling und der ist üblicherweise ziemlich regnerisch – so wie leider auch dieses Jahr.

Als das Wetter schön war, machten wir einen Abend einen Ausflug zum Karekare Beach. Wir wollten den Strand auf seine Tauglichkeit hin überprüfen, dort Maris Geburtstag zu feiern und anschließend dort zu schlafen. Es war absolut dunkel und wir hatten nur eine kleine Taschenlampe. Da gerade high tide war, konnte man den normalen Eingang nicht nehmen. Fast wären wir ins Wasser gelaufen.

Letztendlich nahmen wir einen anderen Weg durch Wald und Büsche und erreichten den herrlichen Strand. Wir genossen die Natur, die Stille der Nacht, die nur durch das Meeresrauschen unterbrochen wurden, und den Sternenhimmel, der über uns prangte.

Der Strand war mehr als tauglich für eine schöne Geburtstagsfeier, doch leider spielte das Wetter an Maris Geburtstag nicht mit, sodass wir die Geburtstagsfeier bei Hohepa in der Lounge machten und einige Tage später noch einmal zusammen weggingen.

Mittlerweile hat Mari ihren Dienst bei Hohepa leider schon beendet. Sie ist in den zwei Monaten, seitdem ich sie kenne, zu einer guten Freundin geworden. Zusammen haben wir in der Zeit, die wir gemeinsamen verbracht haben, sehr viel gelacht. Ihre Abschiedsfeier war sehr schön und etwas traurig gleichzeitig. Wir Freiwilligen hatten ihr zwei leckere Torten gebacken – Maria eine Apfel-Weißwein-Torte und ich ihre eine Sachertorte. Mari wird uns hier echt fehlen und wir hoffen, dass wir sie bald wieder sehen werden.

Nun sind wir also nur noch sieben Freiwillige. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir weiterhin viel Spaß haben und das Beste aus unserer Zeit hier an diesem schönen Zipfel Erde herausholen werden.

 
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